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Mittwoch, 29. Juni 2016

I'm sad.

Wir lebten über fünf Jahre in England.
Es war nicht immer leicht und es gab manchmal Probleme, mit denen ich nie gerechnet hatte. Die Reserviertheit der Briten, gnadenlose Politessen, das Schulsystem, die Kriminalität.
Bei uns wurde das Auto demoliert als wir noch ein deutsches Nummernschild hatten, es wurde ins Auto eingebrochen, diverse Aussenspiegel zerstört, es wurde versucht einzubrechen eines Nachts. Die Tankstelle 200 Meter weiter wurde mehrfach überfallen, vor einem Pub in der Strasse ein Mensch umgebracht. Im ersten Wohnbezirk in dem wir lebten, gab es kriminelle Kinderbanden.
Mit all dem konnten wir umgehen.

Eine Freundin mit starkem deutschen Akzent, wurde öfter mal Opfer von rassistischen Sprüchen, aber wir mussten da nie mit kämpfen.

Eine liebe Freundin, die mit ihren Kindern in England lebt, postete gestern einen Ausschnitt aus einer Radioshow. 
Und ich habe das erste Mal gedacht: Gut, dass wir dort nicht mehr leben. 


Ich hoffe die Briten - ein klassisches Einwanderungsland - bekommen den Scheiss wieder in den Griff.


Samstag, 24. Dezember 2011

Trotz und gerade deswegen


Wir kannten uns gerade ein paar Wochen und waren gemeinsam auf dem Kiez unterwegs. Er räusperte sich und sagte: "Ich wollts Dir nur sagen: ich liebe Dich."
Ich schaute ihn verwirrt an und antwortete: "P., das ist schön, aber Du bist schwul!?!"
"Ich weiss, aber ist halt so."

Und seit diesem Zeitpunkt haben wir uns geliebt.
Anfangs hätte ich noch sagen können wieso.
Aber wenn mich heute jemand gefragt hätte wieso ich ihn liebe, ich hätte keine Antwort gefunden.
Ich liebe ihn, weil er da ist, ich brauche keinen Grund mehr um ihn zu lieben.

Er war mein bester Freund, mein Wahlbruder, mein Zweitmann, Patenonkel der Liebreizenden, Familienmitglied.

Heute morgen schlief er nach kurzer schwerer Krankheit für immer ein.

Vor einigen Tagen fragte ich ihn, ob er sein Leben so gelebt habe, wie er es wollte. Und er antwortete mit fester Stimme: "JA! Ich habe alles so gemacht, wie ich es gewollt habe und würde alles wieder so machen."

Wir werden ihn jeden Tag vermissen. Und sind glücklich ihn gekannt zu haben.

Dennoch und gerade im Bewusstsein, dass das Leben endlich ist:
Ich wünsche Ihnen ein friedliches, besinnliches Weihnachtsfest.

Mittwoch, 21. Dezember 2011

LEBEN Sie!

Das Jahr als ich 12 wurde, war kein besonders tolles Jahr für meine Familie. Es war von schweren Erkrankungen geprägt, die alle mitnahmen. Im November starb meine Großmutter und kurz vor Weihnachten mein Onkel. Die Familie rückte näher zusammen, stand einander bei. Die folgenden Jahre lebten wir als Großfamilie - was unglaublich wichtig, wenn auch anstrengend war. Ich wollte die Zeit nicht missen.
Es dauerte lange bis ich Weihnachten wieder genießen konnte.

Jetzt ist es wieder so weit. Die Freude über Weihnachten wird überlagert von Bangen und verzweifelter Hoffnung. Weihnachten rückt in den Hintergrund, Gespräche über Krankheit, Tod, Himmel, Trost und Vergangenheit sind übermächtig. Zu früh, zu schnell. Es stand nicht auf dem Plan für die nächsten 30 oder 40 Jahre für ihn.

Momentan leben wir sehr bewusst, achtsam auf alles.
Sind in Gedanken bei ihm.
Hoffe, dass er weiss wie sehr wir ihn hier alle lieben.


Passen Sie auf sich auf.
LEBEN Sie.
Und ich sage ganz leise: Happy Birthday ...


Samstag, 5. September 2009

Wenn es nicht so traurig wäre ...

Es dem Kind zu erzähle, ging eigentlich ganz gut. Wir gingen in die benachbarte Kirche, ich sagte es ihr, wir stellten Kerzen auf und unterhielten uns leise über Uropa.

"Wenn wir also nach Deutschland fliegen, dann ist Uropa nicht mehr da?!"

"Nein", war meine Antwort.

"Das ist ja schlimm. Das ist ja richtig schlimm!" und wechselte das Thema, auch wenn es immer wieder aufbrach am Abend.



Gestern musste wir nach der Schule noch in die Stadt, Sachen einkaufen. Auf dem Rückweg im Bus wurde sie ernst.


"Ich kann gar nicht mehr aufhören daran zu denken. Das ist so schlimm, Mama!"

"Na ja, Schatz, Uropa wurde ja schon sehr sehr alt. Und jetzt war er einfach zu kaputt und wollte sterben."

"Hm ...... Na, da hätte er sich aber noch ein bisschen länger zusammenreissen könne!" antwortete sie empört.



... wenn nur es so einfach wäre.

Freitag, 4. September 2009

Still



Es gab gewisse Themen, über die sprach er nicht. Den Krieg zum Beispiel. Oder über seine Kindheit weiss ich viel zu wenig. Das wenige, dass ich weiß, war nicht besonders ermunternd. Es hat gereicht um ihn in den Krieg zu treiben. Das habe ich erzählt bekommen.

Einiges habe ich dennoch erfahren. Kurze Ausschnitte aus seinem Leben, Gefühle. Kleine Geheimnisse, die sonst keiner weiss. Erzählt mit einem verschmitzten Lächeln oder einer Träne im Auge.

Begleiten durfte ich, ihn als die schwere Krankheit begann.
Helfen, als er alleine nicht mehr konnte.
Erfreuen durch Kleinigkeiten.


Jetzt sind alle Möglichkeiten vorbei ihn zu fragen.
Ihm seine weiche Hand zu streicheln.

Er ist still.

Machs gut, Opa.