Donnerstag, 24. Juni 2010

Mariechen, ihm schmeckt es nicht!

Meine Oma hieß Mariechen. Sie war ungefähr 1.50 m groß, kugelig und hatte das wärmste Oma-Lächeln, das man sich vorstellen konnte.

Sie und mein Großvater lebten am Ende der Welt. Der Ort hatte 12 Häuser und die Straße hörte einfach danach auf. Dahinter erstreckten sich Felder, Wiesen, Fischteiche und geheimnisvolle Wälder, in denen man auch schon mal Rehen oder Wildschweinen begegnen konnten.

Eine der intensivsten Erinnerungen an meine Kindheit ist wie mein Großvater frühmorgens die Kühe melken geht, während meine Großmutter in ihrer gusseisernen Pfanne Bratkartoffeln machte. Die Kartoffeln stammten vom eigenen Acker und waren aromatisch-wachsig. Auch nach unzähligen Versuchen habe ich es noch nicht mal annähernd geschafft Bratkartoffeln hinzubekommen, wie sie meine Oma immer machte. Inzwischen mache ich gar keine Bratkartoffeln mehr. Gute Kartoffeln in England zu finden, ist eine Aufgabe, die ich immer noch nicht meistere.
Ein Mal im Jahr wurde ein Schwein geschlachtet und das ganze Dorf half mit.
Im Sommer mussten alle bei der Heuernte helfen, im Winter fror man sich den Hintern ab. Das Haus besaß nämlich keine Zentralheizung, sondern nur einen Ofen in der Stube. Die Küche wurde so ein bisschen mitgeheizt, aber im restlichen Haus war es bitterkalt. Es konnte schon mal vorkommen, dass man morgens aufwachte und Raureif auf der Bettdecke lag.

Meine Großeltern waren überwiegend Selbstversorger und meine Oma lagerte im muffigen Keller Kartoffeln, eingemachtes Obst und Gemüse, Marmeladen und was sonst noch so auf Feld und Wiesen wuchs.

Oma war eine begnadete Köchin, die auch noch im hohen Alter vor keinem neuen Rezept halt machte.
Allerdings gab es da eine Sache.
Die mochte ich so gar nicht essen.
Saubohnen. Auch genannt dicke Bohnen, Pferdebohnen, Ackerbohnen, Favabohnen, große Bohnen, egal, sie waren grauenvoll. Diese dicke Haut, der bittere Geschmack - alles daran fand ich einfach nur eklig.
Konsequenterweise habe ich sie also jetzt seit 30 Jahren nicht gegessen.

Bis gestern.
Da gab es dieses Rezept, dass ich durchaus spannend fand.
Hühnchen mit Saubohnen.





Hähnchenschenkel, ohne Knochen und Haut wird mit Zwiebeln und Knoblauch angebracht, mit Weisswein abgelöscht.
Dazu kommen Estragon und Thymian, sowie Senf und einen halben Liter Hühnerbrühe.
Das ganze wird 50 Minuten köcheln gelassen.
Währenddessen werden die Saubohnen 5 Minuten gekocht und dann gepellt.
Gegen Ende der Kochzeit werden die Bohnen und ein bisschen Sahne dazu gegeben.

Ich fand es köstlich.

Tochter mochte nur die Sauce und das Huhn.

Der Mann auch.

Mariechen, wenn Du das noch erlebt hättest, dass Dein Schwiegerenkel keine Saubohnen mag.

Tssss. Tssss. Tssss .....

Kommentare:

  1. Ein schöner Kommentar! Schön, wenn man sich so an die Lieben erinnert! Meine Oma lebte auch auf dem Dorf und ich erinnere mich an den Kischbaum, riesige Berge Eierkuchen mit Kinderkaffee, Tiere und natürlich den Keller mit den eingeweckten Köstlichkeiten.
    Viele Grüße
    Marika

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  2. Ich mag solche Posts:-)
    ...und ein muffigen Kartoffellagerkeller gabs bei meiner Omi auf´m Dorf auch...ebenso nur ein Ofen ,welcher die Küche mitgeheizt hat, aber eine elektrische Heizdecke im Winter im Bett...und kein Bad, dafür aber eine große Zinkbadewanne, welche Samstags in den Kuhstall gestellt wurde...und jetzt komme ich mir so furchtbar alt vor, weil man meinen könnte , dass ist schon mehr als 100Jahre her;-)))

    LG Kathrin

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  3. Schööön - auch wenn mir heute die ganze Zeit übel ist und Du mich mit dicken Bohnen nicht locken könntest - aber gerne gelesen habe ich Deine Erinnerungen.

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  4. haaachjaaaa... *in Erinnerungen schwelg*

    Bei meiner Großmutter musste man das Wasser noch an der Schwengelpumpe im Garten holen. Der "Keller" war ein Loch im Boden der Diele.....
    haaachjaaaaaa

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  5. Früher wurden die dicken Bohnen nicht gepellt - zumindest bei uns nicht. Zum Glück ist das ja heute anders, seitdem mag ich sie auch.

    Ich habe mich jetzt durch gaaaanz viele Posts gelesen, watt herrlich hier! Ich war viel zu lange abwesend.

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