Dienstag, 17. Juni 2008

Englisches Alltagsleben - Wahnsinnig elitär

Wir unterschrieben gerade die Schulanmeldung für unsere vierjährige Tochter.
Im September gehts los. Vollzeit. Von 8:55 - 15:45 Uhr.
Und ich komme mir schrecklich elitär vor.
Denn sie wird auf eine Privatschule gehen.
Die öffentlichen Schulen unserer Stadt liegen im nationalen Vergleich auf Platz 149 - von 150.
Kurzum: jeder, der es sich auch nur im entferntesten leisten kann, gibt sein Kind auf eine Privatschule.

Es gibt eine Handvoll privater Grundschulen und lediglich drei gute weiterführende Schulen, die exzellente Ergebnisse haben.

Eine sehr gute Mädchenschule - nebenan ist die Jungenschule, es wird auch viees gemeinsam gemacht - war bei uns auch im Gespräch. Allerdings wirds einem ganz anders, wenn man hört welche Aufnahmeprüfungen sie für die Kinder bereit halten.

mit drei Jahren: das Kind wird in die Vorschulgruppe gepackt und beobachtet wie es agiert und reagiert. Ein halbstündiges Interview mit zwei Lehrern der Schule, inklusive kleinem Intelligenztest ohne die Eltern.

mit sechs/sieben Jahren: morgens um 9 Uhr geht es los. Mathetests, Aufsatzschreiben, allgemeines Wissen abfragen, Vorlesen (mit Ausdruck!), sowie ein einstündiges Interview mit den Lehrern über Stärken, Schwächen, Hobbies, Motivation für diese Schule, etc. Wir sprechen von sechs bis sieben jährigen Kindern!

mit zehn/elf Jahren gibt es dann die quasi letzte Chance auf eine dieser Kaderschmieden zu wechseln. Das Auswahlverfahren ändert sich gegenüber den Sechsjährigen nicht mehr, ist nur noch verschärfter.

Die Plätze sind hart umkämpft. Wer nicht von einer guten Privatschule kommt und entsprechend vorbereitet in den Wettkampf um die Plätze geht, hat fast schon verloren.

Es ist schon ein seltsames Gefühl sich jetzt bereits für die endgültige schulische Laufbahn entscheiden zu müssen.

Kommentare:

  1. ich glaube, früher oder später wird es hier auch so ablaufen! ohne abitur hast du doch hier kaum noch eine chance. um dann noch zu "sieben", wird doch jetzt schon geschaut, auf welcher schule man sein abi gemacht hat. *seufz*

    wir können alle nur versuchen unseren kids den bestmöglichen start zu geben!

    lg, lina....die sich auch schon mit der schule beschäftigt hat.

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  2. ich bin: schockiert. und das ist jetzt kein witz.

    zwei meiner fünf kinder haben schon abitur gemacht. beide gut und ohne druck etc.

    aber auch ich merke bei den jüngeren: es wird härter.

    meine jüngste tochter geht auch als externe auf ein internat. allerdings läuft es da ganz anders als du das da schreibst. es sind nur 7 kinder in der klasse und die kinder werden nicht nur gefordert, sondern auch gefördert.

    für mich wäre es der totale horror, zu wissen, dass man meinen kindern das einzige klaut, das nicht bezahlbare ist: eine fröhliche und unbeschwerte kindheit.

    denn nicht nur karriere und geld sind das, was alleine zählt. der mensch muss doch auch : glücklich sein!


    ich wünsche euch von herzen: alles gute.

    rike

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  3. Rike. das war ein Grund für uns, sie auf der Schule zu lassen wo sie jetzt in den Kindergarten geht. Kleine Klassen, persönliche tolle Betreuung, individuelle Förderung.

    Wir hatten es auf einem Kindergartenausflug mit einer Mutter, deren Sohn auf der Jungsschule ist darüber. Sie meinte: die Schule ist super für Kinder, die ehrgeizig und klever sind. Ansonsten gehen sie unter.
    Ich weiß ja jetzt noch nicht, wie sich unsere Tochter entwickelt. Momentan ist sie recht fix und auch am Lernen sehr interessiert. Aber weiß ich wie das in 5-10 Jahren ist?
    Die Klassen sind bei den Privatschulen durchaus sehr klein. 7 - 12 Kinder maximal, viel Sport dabei, aber ab September wird die Tochter täglich, auch MIT Vollzeitschule, ca 20 Minuten Hausarbeiten am Tag haben.
    Aber wenn ich jetzt ihr den Weg zu einer guten Schule verbaue, das würde ich mir nie verzeihen können!

    Und, Rike: ich versuche E. ausserhalb des Kindergartens und der Schule möglichst viel schönes und unbeschwertes zu bieten. Momentan klappt es noch ganz gut.

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  4. Und am Ende haben die trotzdem keine Ahnung vom Tuten und Blasen und ich frage mich was sie eigentlich wirklich lernen in der Schule....

    Ich finde das System hier in UK hoechst seltsam - soviel Druck dahinter, aber haengen bleibt nichts, oder sie lernen nichts effektiv. Natuerlich ist jeder individuell verschieden - aber ich war selten von der Schulbildung hier beeindruckt.

    Und ja wenn nicht Privatschule, dann gibts halt eine kleine Messerstecherei in der oeffentlichen Schule..... Verstehe das voll und ganz - wuerde es genauso machen.

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  5. LittelMiss ... die Privatschulen, die hier in Frage kommen, sind schon sehr sehr gut - eine Sache, die ich in England lernte war: entweder die Ausbilduung ist extrem gut - oder sehr sehr schlecht. Dazwischen gibts es nur ganz wenig. Aber es gibt auch viele Eltern, die es gelinde gesagt nicht kratzt was ihre Kinder machen oder lernen. Leider

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  6. nein. du darfst ihr den weg nicht verbauen.
    dein gefühl sagt dir schon, was richtig ist.
    ich find das system aber so unmenschlich. gut, dass du euren weg darin findest und für deine E. alles tust, dass sie es gut schaffen wird.
    ich glaube fest. ihr werdet es hinkriegen.
    dafür hab ich hier schon genug gelesen. und auch per mail erfahren.

    ich wünsch dir und einem töchterchen: sonnenschein im leben.

    alles liebe. rike.

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  7. menno.. so viele rechtschreibfehler... ist schon zu spät für mich. verzeih.

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  8. @rike: Was ich ihr jetzt bieten kann: Sicherheit, Kontinuität. Wir sind die letzten vier Jahre so oft umgezogen, sie musste so viel Veränderungen erleben, da ist es mir auch wichtig (oder uns!), dass sie zur Ruhe kommt.
    Bei der jetzigen Schule habe ich wirklich ein 100%ig gutes Gefühl. Sie machen viel Sport und kreatives, das Essen ist bio und ausgewogen, ihre Freunde bleiben fast alle UND: wenn sie dort abgeht (mit 11 Jahren, weiter geht die Schule nicht), wird sie überall genommen, wo sie will.

    Und bis sie 11 ist, kann noch viel passieren ...

    Es ist schon in Deutschland schwer eine gute Schule zu finden - in England ist es wirklich HART. Ich kenne einige, die kurz vor der Einschulung noch umzogen, dass die Kinder in eine gute Schule wechseln konnten. Hier in der Stadt gibt es leider keine öffentliche, die wirklich 100%ig zu empfehlen ist. Nur ausserhalb - was für meinen Mann indiskutabel wäre zum Pendeln :( Er hat jetzt schon weit genug.

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  9. Das hört sich wirklich "krass" an. Aber ich gebe Lina Recht. früher oder später wird es bei uns auch so sein!
    LG, Bine

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  10. Bine, England ist eine andere Welt. Zumindest da wo wir wohnen. Oberflächlich gesehen ist es westlich, EU, nahe bei Deutschland. Aber wenn man genauer hinschaut, da gibt es so viele Unterschiede ...

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  11. Tja, ähnliches kann ich aus Mexiko berichten, allerdings besuchen unsere Kinder hier schon am dem 3. Lebensjahr, also dem "Kindergarten" eine Privatschule, wobei der mexikanische Kindergarten eher einer Grundschule entspricht und Pflicht ist.

    Die Kinder haben ab dem ersten Tag einen geregelten Stundenplan: Rechnen, Schreiben, Lesen, Musik, Englisch, Spanisch, Sport etc. und zwei Mal wöchentlich gibt es Hausaufgaben. Das alles ab dem ALter von drei Jahren!

    Anschliessend geht es weiter auf private weiterführende Institute bis hin zur privaten Uni, wo die Elite Mexikos gebildet oder erhalten bleibt. Innerhalb diesen Kreises werden schliesslich die guten Jobs vergeben. Tja.

    Aber abgesehen davon und noch wichtiger, sind viele staatliche Schulen hier leider unter aller Sau sind. Es bleibt einem also nichts anderes übrig und jeder der es sich leisten kann schickt seine Kinder auf eine Privatschule.

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  12. Ninik, genau so läuft es hier auch ab. Sie hat bereits jetzt auch schon eine Lehrerin, die mit den Kindern Buchstaben und schreiben lernt, mit ihnen Mathe übt - und Französisch haben sie bei einer muttersprachlichen Lehrerin.
    Sie haben auch jetzt schon einen fest durchstrukturierten Tag und Stundenplan ...

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