Montag, 22. Februar 2010

Sonntagsessen.

In der letzten Zeit fand ich Rezepte lesen schrecklich langweilig.
Kenne ich schon.
Schon gekocht.
Nichts neues.
Wieder eine Variante des Bekannten.

Und dann fiel mir, beim Aufräumen und Umräumen, ein Heft in die Hand. Zeit Punkte. Siebecks Klassiker, von 1998.

"Für alle, die es noch nicht wissen: Kochen ist wunderbar! Es ist der einzige Bereich des modernen Lebens, wo wir nicht fremdbestimmt agieren. Kochen, wie ich es verstehe, ist eine individuelle und kreative Tätigkeit, weil dabei jeder für sich entscheidet, was er kochen will, wie die benötigten Produkte beschaffen sein müssen, wo er sie kauft, wie sie verarbeitet und gewürzt werden. Ob das nach traditionellen regeln geschieht oder aus der persönlichen Laune heraus - es ist allein meine Entscheidung. Beim Kochen herrscht die Freiheit, die wir sonst nirgends mehr haben. ...
Bei dieser Gelegenheit möchte ich noch einmal auf die Klage einiger Leser eingehen, die in meinen Rezepten präzisiere Angaben über Gramm und Garzeit wünschen. Tatsächlich bestehen meine Rezepte oft mehr aus Vorschlägen als aus Vorschriften. Letzter sind nützliche, aber Spontanität ist wichtiger."

"Zwei Kilo Ochsenschwanz, bitte." sagte ich also zum Fleischer meines Vertrauens.
"Ochsenschwanz ist aus, my Dear." antwortete er mir.
Spontan sein. Genau. Spontan entschied ich mich für Beinscheibe MIT Knochen. Was dem Sohn des Metzgers, der meinen Auftrag bearbeiten musste, erst mal der Angstschweiss auf die Stirn zauberte. Hatte er doch noch nie einen Kunden gehabt, der das am Stück verlangte.
Der Vater hielt ihm wortlos und mit einem Grinsen im Gesicht die Säge hin.


Neben zwei dicken Scheiben Beinfleisch packte ich noch zwei Möhren, Porree und Zwiebeln mit ein.


Daheim schob ich Herrn Siebeck zur Seite und den Topf aufs Feuer.
Während das Fleisch scharf anbriet, schnibbelte ich das Gemüse klein, gab es dazu und löschte das ganze mit etwas Wasser ab.
Als der Sud fast wieder verkocht war, gab ich 500 ml passierte Tomaten und eine Flasche Wein. Den guten. Weil: wie soll eine gute Sauce daraus werden, wenn ich einen minderwertigen Wein nehme? Genau. Geht nicht.
Dann noch frischen Thymian, Lorbeerblätter, Knoblauch, Pfeffer und Salz dazu.

Und während das alles so vor sich hinköchelt, könnte man ein Glas Wein trinken.
Wenn man nicht den ganzen guten Tropfen in den Topf gekippt hätte.





Am nächsten Mittag wurde mit zwei Gabeln das Fleisch vom Knochen getrennt. Nachdem die Knochen und die Lorbeerblätter rausgefischt wurden, verteilte ich 2/3 auf einfriersichere Schüsseln, der Rest wurde sanft erhitzt.

Vorher hatte ich bereits aus drei Eiern, 50 Gramm frischem und fein gemahlenem Weizenmehl, 50 Gramm feinem Hartweizengrieß, sowie 120 Gramm griffigem Weissmehl und einer Priese Salz einen Spätzleteig gemacht, der währenddessen quellt.

Eine halbe Stunde brauchte er schon.
Dann wurde er händisch ins kochende Salzwasser geschabt.

Und fertig.




Und weil die Nudeln nicht reichten, gabt es noch Brot* mit Sauce. Und Preiselbeersauce.





Nachtisch:
warme Pflaumen mit Vanilleeis.




* Brot: Kartoffel-Buttermilchbrot (Sauerteig, ohne Hefe) SEHR lecker!

Kommentare:

  1. Geschabte Späzle?
    Kein Wunder, dass das nicht gereicht hat- das ist doch die reinste Strafarbeit. :))

    Ich bin ja hier in Schwaben nur "nei-gschmeckt" und habe deshalb einen Freibrief fürs Späzlepressen. Ist zwar nicht so stilvoll wie die Schaberei, aber bei den Massen, die wir hier brauchen die erste Wahl.

    Und war es nicht der Herr Siebeck, der mal Nudeln nur aus Eigelb und Mehl vorgeschlagen hat? Das ist genauso herrlich dekadent wie eine Flasche guten Rotweins im Schmortopf.

    Ihr bringt Esskultur nach GB!!

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  2. Liebe Giselda, ich KANN nur händisch schaben. Wir haben hier auch eine Reibe, aber mit der komme ich einfach nicht zurecht.

    Das letzte Mal hatte ich aus 7 Eiern für zwei Tage geschabt - und mein Mann schlug danach vor doch das nächste Mal 10 Eier zu nehmen ;)

    Nur Eigelb? Himmel, das ist wirklich DEKADENT!

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  3. *schluck*
    Das
    ist
    fies!!!
    ICH HAB NÄMLICH HUNGER!!!!

    Und als Nicht-Schwäbin frag ich mich jedesmal, wie das funzt mit den geschabten Spätzle - die sind nämlich soooo lecker!

    Ich werde also demnächst auch mal eine Flasche Rotwein (den guten!) in den Schmortopf gießen - und so Esskultur nach Holland bringen (hoffe ich!)
    Danke für die Anregungen!
    Groetjes
    van
    Cay

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  4. PRO VIDEO!!!
    O_O

    (Und ich habe keinen Gasherd - ich bin auch so schon gefährlich genug ;-) )

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  5. ... und plötzlich erscheint mir die Reste-Lasagne, die mich in wenigen Minuten zum Mittagessen erwartet, wie trocken Brot...
    Hungeeeeeeer!!!! ;-)

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  6. Oh sieht das gut aus...da läuft einem ja das Wasser im Munde zusammen ;O))

    Viele Grüße
    JO

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  7. Das glaub ich, dass da kein Fitzelchen übrig geblieben ist! Ich kriege schon wieder Hunger... Und Siebecks Aussage zum Kochen kann ich voll zustimmen.

    Liebe Grüße und schöner Tag noch,
    Juliane

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  8. Ich liebe das Essen, aber ich HASSE kochen - GsD hat mir mein Mann diese Tätigkeit abgenommen und sieht es genau wie Du: Kochen ist eine sinnliche Erfahrung!
    Ich gönne es ihm und esse gerne mit - es muß ja Jemand seine Künste am Herd loben...
    Merkwürdigerweise bin ICH die eifrigere Rezeptesammlerin; schade nur, daß ich für Dein Rezept keine Verwendung habe, wir sind Vegetarier...
    Liebe Grüße,
    Liese
    *die gerade einen aufgewärmten Blumenkohlauflauf verspeist, da ihr GöGa im Krankenhaus ist und sie deshalb auf Frischfutter vorerst verzichten muß*

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  9. Na Euch gehts ja gut (= Hast Du gut gezaubert!
    Froh bin ich, dass ich unter die Vegetarier gegangen bin...also ein Metzger mit Saege *schluck*
    liebwink aus LA von Andrea

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  10. Liebe Ex, Sie wissen schon das Fastenzeit ist und ich an einer 7-tägigen Fastenkur teilnehme ?
    Zur Charakterstählung lese ich Ihre Rezepte! Ich bin ein sehr labiler Charakter und nicht nur mein Fleisch , nein auch mein Geist wird schwach!
    Und Fleischer die mich "meine Liebe" nennen hätte ich auch gern.
    Hungrige Grüße aus Bonn!

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