Freitag, 6. Februar 2009

Allein.

Er sitzt da, jedes Mal, wenn wir in den Breakfast Club der Schule gehen und schaut uns mit großen Augen an.
Egal wie früh wir da sind.
Er sitzt da, ein aufgeschlagenes Heft vor sich.
Nimmt den Stift und malt, schreibt.

Auch wenn seine Freunde da sind.

Er fragt mich ernst:
"Entschuldigen Sie, aber warum sind Sie mit L. gekommen?"

Ich antworte:
"Ich habe L. heute mit zur Schule genommen."

"Ah. Dann ist L. eine Freundin Ihrer Tochter?"

"Ja, E. sitzt hier vorne, neben L."

"Dann haben Sie ihr einen Gefallen erwiesen?"

"Ja, L.s Mutter rief mich heute morgen an und bat mich L. mit zur Schule zu nehmen."

"OH!" sagt er, und blättert in seinem Heft zurück.

Er zeigt mir eine Zeichnung, die "Freunde" dastellt. Daneben hat er geschrieben:
Freunde helfen einander. Freunde sind wichtig. Man muss Freunden auch Danke sagen.

Ein zartes Lächeln breitet sich auf seinem Gesicht aus und er sagt:
"Vielen Dank, dass Sie für L. eine Freundin sind und ihr geholfen haben. Das ist sehr nett von Ihnen. Freunde sind füreinander da."

Ich schlucke.

Und im Auto kamen mir die Tränen.

Kommentare:

  1. Da stitz wohl ein kleiner Engel am Tisch in eurem Breakfast Club.
    Zauberhafte rührende Geschichte.
    Liebe Grüsse, Allerleirauh

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  2. oh...
    Das sind diese Begegnungen, die einem unter die Haut gehen. Und einem manchmal die Augen öffnen für die Einsamen und Verlassenem am Wegesrand, für die ein paar nette Worte und ein Lächeln schon so viel bedeuten. Und die mich sehr beschämt zurücklassen, weil ich selber so viel habe und oft so wenig gebe.

    Ähm... das waren grad ein paar typisch Ritterstern'sche wirre Gedanken zum Thema...

    LG
    Martina,
    grade sehr nachdenklich

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  3. Das rührt mich ja schon, wenn ich es lese... was für ein besonderer Mensch!

    Schön das man solche Begegnungen im Leben hat!

    LG Linda

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  4. Wer weiss was er fuer eine Geschichte hat. Armes kleines Kerlchen, schon so erwachsen.... vielleicht wirst Du ja sein Freund?

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  5. Fuer mich klingt es eher nach einer traurig einsamen Seele... (wie alt ist er?)

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  6. wow - ich gebe frau allerleihrauh recht. und engel sind leider einsam!
    lg, mito

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  7. Einsame Engel - das ist wohl wahr, mito.

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  8. Allein auf jeden Fall.
    Ob einsam während der Schule? Ich weiss nicht.

    Er hat ein Heft, ein Tagebuch. Dinge, die ihn beschäftigen, jeden Tag waren dort drin aufgemalt und kurz beschrieben, die Schneefälle derzeit beispielsweise, oder besondere Tage in der Schule.
    Ich fand es bewundernswert, liebevoll im Detail. Eigensinnig gemalt, verdammt kreativ.

    Ein sehr besonderer Junge von ca 9 Jahren. Auch wenn er wie 29 wirkte.

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  9. was für eine schöne begegnung, die du da hattest (auch wenn sie einen leicht traurigen anschein macht).

    aber im grunde hat er mit seinen jungen jahren schon erkannt, was viele menschen noch nicht mal im alter sehen...

    viele grüße!

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  10. gänsehaut habe ich bekommen...nicht nur wg. des jungen ... einfach, wie du es erzählst.
    schreibe ex, schreibe!!
    wünsch euch tauwetter! liebe grüße...siggi

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